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Hinführung zu selbständigem Arbeiten

Von Ruth Hoffmann-Erz am Mittwoch, den 4. Oktober 2006

Ausgangslage

Nach den Sommerferien habe ich eine zweite Klasse übernommen. Die Klassensitution ist äußerst schwierig und neben Disziplinproblemen musste ich sukzessive die Arbeitshaltung verbessern.

Die Ausgangslage war so, dass bei einer 20 minütigen Arbeitsphase mit einem Arbeitsauftrag für alle, einige Kinder fertig waren, während eine ganze Reihe von Kindern noch nicht einmal angefangen hatten. Die Probleme bestanden bereits in der Beschaffung der Arbeitsmaterialien (Buch und Mäppchen aus dem Ranzen holen). Viele Kinder haben ernorme Konzentrationsprobleme, so dass sie sich nach wenigen Minuten Arbeit immer wieder selbst ablenken.

Erste Schritte

Ich habe mit den Kindern diesen Sachverhalt besprochen und wir haben zunächst eine Art Wettbewerb veranstaltet:

Daraufhin wurde von mir die Regel aufgestellt, dass nach der Erteilung eines Arbeitsauftrages alle Kinder nach spätestens 5 Minuten etwas aufgeschrieben haben sollen. Die Kinder konnten dies nach einigen Tagen bereits gut umsetzen.

Aufbauend darauf war es mir wichtig, die Arbeit zu differenzieren, da sonst durch die Über- und Unterforderung der meisten Kinder eine unruhige Arbeitsatmosphäre vorprogrammiert ist.

Differenzierung

Ich habe die Kinder in drei Gruppen eingeteilt und an der Tafel für jede Gruppe die Aufgaben zunächst bezüglich des Arbeitsumfangs differenziert. Dies allein hatte schon einen sehr positiven Einfluss auf die Arbeitshaltung. Darauf aufbauend wurden mehrere Arbeitsaufträge in Form eines Tagesplans an die Tafel geschrieben, die differenziert waren. Vielen Kindern fiel es schwer die Arbeitsaufträge von der Tafel abzulesen.

Viele Kinder haben Probleme damit, eine Aufgabe aus dem Mathebuch selbständig im Heft zu bearbeiten, obwohl sie die Aufgaben grundsätzlich verstanden haben. Es ergeben sich dabei zu viele Hürden:

Für diese Kinder habe ich die Aufgaben aus dem Buch zunächst auf einem Arbeitsblatt zusammengestellt.

Mehrere Arbeitsaufträge verwalten

Bei einer längeren selbständigen Arbeitsphase müssen die Kinder nach der Erledigung eines Arbeitsauftrages ihre Ergebnisse in eine Ablage zum Nachschauen legen, um dann selbständig den nächsten Arbeitsauftrag zu bearbeiten. Es hat einige Wochen gedauert, bis die Kinder das Ablegen in eine gesonderte Ablage verinnerlicht haben. Wichtig ist auch, als Lehrerin den Überblick zu behalten, damit man schnell die Kinder, die den Faden verlieren, wieder auf den Weg bringen kann.

In der Klasse habe ich immer eine Werkstatt oder ähnliches zum aktuellen Thema bereitgestellt, so dass sich jedes Kind nach den Pflichtaufgaben angemessen und sinnvoll beschäftigen kann. Der Zeitrahmen für die differenzierten Pflichtaufgaben des Tagesplans ist so gewählt, dass jedes Kind das Pensum schafft.

Ergebnisse kontrollieren

Am Ende des Tages bzw. der Arbeitsphase stelle ich sicher, dass alle Hefte bzw. Arbeitsblätter eingesammelt sind. Zukünftig möchte ich mit einer Lesezeit schließen, während der ich von Kind zu Kind gehe und die Arbeiten nachschaue. So erhält jedes Kind ein schelles Feedback über seine Ergebnisse. Am Anfang hatten viele Kinder ihre Arbeiten nicht abgegeben und nur unvollständig oder gar nicht erledigt. Durch eine tägliche Kontrolle gewöhnen sich die meisten Kinder aber daran, ihre Arbeiten abzugeben und auch zu erledigen. Außerdem weiß man als Lehrerin mit der Zeit, bei welchen Kindern man schon während der Arbeitsphase engmaschiger kontrollieren muss.

Ausweitung des Tagesplans

Als nächsten Schritt werde ich den Tagesplan auf drei Tage ausweiten, wobei jedes Kind einen eigenen Plan (weiterhin in drei Gruppen unterteilt) erhält. Sicher wird es wieder einige Zeit dauernd, bis alle Kinder diese Arbeitsform bewältigen können. Aber wir sind auf einem guten Weg.



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1 Kommentar

  1. Liebe Frau Hofmann-Erz,

    ich muss nun leider weiter arbeiten, obwohl ich wahnsinnig gerne weiter“lesen“ würde. In der Tat bin ich sehr beeindruckt und sehr froh, dass Sie nun unsere Kinder unterrichten.

    Bislang fand ich alles sehr lesenwert und möchte mich für Ihre tollen Berichte und Ihr Engagement bedanken.

    Herzliche Grüße
    Rebecca Andrews

    Comment by Rebecca Andrews — 01.11.2006 @ 13:33

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