« »

Zählstrategien im Hunderterraum

Von Ruth Hoffmann-Erz am Montag, den 25. September 2006

Während die Fächer Deutsch und Sachunterricht in den letzten Jahren mit neuen Unterrichtsmethoden verbunden werden, wird der Matheunterricht überwiegend nach einem Lehrgang unterrichtet. Mir selbst fehlt es oft an Ideen, wie ich die Kinder zu einer Reflexion über mathematische Phänomene führen kann.

Aktuell habe ich versucht, die Einführung in den Hunderterraum mit einer einfachen Aufgabenstellung in diese Richtung zu gestalten.

Ich habe auf ein Blatt Papier 48 kleine Kreise gezeichnet und für jedes Kind kopiert:

Sind es wirklich 48 Kreise?

Die Kinder sollten die Kreise möglichst geschickt zählen und mit Zeichen versehen, die auf einen Blick erkennen lassen, wie viele Kreise es sind.

Alle Blätter wurden gesammelt und gemeinsam angeschaut. Folgende Ergebnisse kamen heraus:

Einige Kinder haben einfach nur gezählt, wobei keiner auf das richtige Ergebniss gekommen ist. Zum Beispiel wurde sich um zehn verzählt (58 statt 48).
Die meisten Kinder haben jeden Kreis markiert, so dass kein Kreis doppelt gezählt oder vergessen wurde. Trotzdem waren fast alle Ergebnisse falsch.
Einige Kinder haben die Kreise mit Strichen verbunden. So entstand eine lange Kette. Die Ergebnisse stimmten teilweise.
Drei von 26 Kindern haben darüber hinaus jeden einzelnen Kreis fortlaufend beschriftet (1,2,…). Diese Ergebnisse waren alle richtig. Ein Kind wollte diese Strategie anwenden, konnte aber nicht alle Zahlen bis 48 schreiben. Dies wollen wir jetzt als nächstes üben.
Ein Kind hat die Kreise so verbunden, dass die Kreise Reihen in einer Linie ergeben haben. Somit entstand eine ungleiche Bündelung.

Zum Schluss habe ich den Kindern an der Tafel die Bündelung nach 10er Päckchen vorgestellt:

Die Kinder sollten eine Begründung für die Bündelung nach 10ern suchen. Es entstand eine kurze Diskussion über andere Zahlensysteme, insbesondere das chinesische Zahlensystem.

Ich glaube, den Kindern ist damit der Sinn deutlich geworden, Bündelungen vorzunehmen, um sich nicht zu verzählen. Die Kinder haben erfahren, dass aus ihren Ideen hilfreiche Schlussfolgerungen hervorgehen können. Ich war insgesamt mit dem Ergebniss zufrieden. Die Aufgabenstellung wurde von allen Kindern als bewältigbar eingestuft und das Zählen hat ihnen Spaß gemacht.

Buchtipp:

Gute Aufgaben im Mathematikunterricht der Grundschule: Silke Ruwisch, Andrea Peter-Koop, Verlag: Mildenberger 2. Aufl. (November 2003), ISBN 3619014825

Bestellen bei amazon.de



Diesen Beitrag über RSS 2.0 verfolgen.

2 Kommentare

  1. Hallo Frau Hoffmann,

    schön zu lesen, wie sich jemand Gedanken macht, Kindern anschaulich Wissen zu vermitteln und sie anleitet, selber Lösungswege zu finden…
    Wir alle vermissen Sie sehr.
    Liebe Grüße und alles Gute an der neuen Schule,

    Kirsten Dreyer

    Comment by Kirsten Dreyer — 26.09.2006 @ 23:22

  2. Sehr geehrte Frau Hoffmann-Erz! Mit Interesse habe ich Ihren Beitrag von September gelesen und fand die Idee sehr schön. Allerdings kommt mir in dieser Annäherung an das Zählen im Hunderterraum das aktive Handeln etwas zu kurz. Kinder, die zum Begreifen Handlung benötigen, werden es schwer haben, den Hunderterraum so zu durchdringen. Ich habe einen weiterführenden Vorschlag.Die Kinder der Klasse werden in Gruppen á 4 aufgeteilt. Jede Gruppe erhält ein farblich gekennzeichnetes Säckchen mit Centstücken. In jedem Säckchen ist eine unterschiedliche Anzahl von Cents. Natürlich liegt die Anzahl immer um 100. Die Gruppe, die mir zuerst die richtige Anzahl nennen kann, hat gewonnen. Es ist sehr interessant zu beobachten, welche Strategien die Kinder entwickeln, um schnell und richtig zu zählen. Die Ergebnisse kommen denen, die Sie beobachtet haben sehr nahe, mit dem Unterschied, dass in der Gruppe gemeinsam Strategien entwickelt wurden und die Hände an der Erkenntniss beteiligt waren. Natürlich wurden die verschiedenen Vorgehensweisen besprochen und was ihre Effektivität anging bewertet
    MfG
    G. Persel

    Comment by Gisela Persel — 19.11.2006 @ 14:14

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URL

Die Kommentarfunktion ist zur Zeit leider deaktiviert.