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Stille und Konzentration – Musikalische Interaktionsspiele

Von Ruth Hoffmann-Erz am Freitag, den 22. September 2006

Nach den Ferien habe ich eine zweite Klasse übernommen. Der Geräuschpegel war unheimlich hoch und die Kinder konnten sich kaum auf etwas konzentrieren.
Neben zahlreichen anderen Maßnahmen, habe ich eine Reihe von Stille- und Konzentrationsübungen durchgeführt, die sich sehr positiv ausgewirkt haben.

Klatschübungen:

Einfache Übungen:

Alle Kinder sitzen im Kreis. Es wird nach der Reihe geklatscht. Die Kinder sollen möglichst schnell hintereinander klatschen, aber nicht zu früh. Die Übung hört sich einfach an, klappt aber erst nach einigen Versuchen.

Der Klatscher wird reihum gegeben, es kann aber die Richtung geändert werden, indem man sich zur ein oder anderen Seite wendet. Nach einiger Zeit stellen die Kinder fest, dass der Klatscher an einer Stelle „hängen bleibt“, während manche Kinder nicht dran kommen. Es ist sinnvoll, gemeinsam Regeln zu bestimmen, die das verhindert. Zum Beispiel darf ein Kind nur einmal die Richtung ändern, danach muss es den Klatscher wieder in der Runde weitergeben.

Die Kinder sitzen im Kreis. Ein Kind beginnt und klatscht einem anderen Kind seiner Wahl zu, während es seinen Namen nennt. Der Klatscher wird so lange weiter gegeben, bis alle Kinder einmal dran waren.

Eine schwierigere Variante ist, dass die Namen der Kinder nicht mehr genannt werden, sondern die Kinder zum Beispiel angeblinzelt werden.

Eine recht schwierige Übung ist „Spiel für zwei“ nach Moroder 1) :

Ein Kind beginnt im Kreis einen festgelegten Rhythmus zu klatschen, zum Beispiel:

lang – kurz – kurz – lang – lang

Ein zweites Kind steigt ein, so dass jetzt zwei Kinder gemeinsam klatschen.

Sobald das nächste Kind dazu klatscht, muss das erste Kind aufhören. So kommt immer wieder ein neues Kind hinzu (z. B. immer im Uhrzeigersinn). Diese Übung erfordert von den Kindern ein sehr hohes Maß an nonverbaler Verständigung.

Eine weitere sehr schöne Übung, die leicht durchzuführen ist, heißt „Solo-Tutti-Spiel“, abgewandelt nach Lilli Friedemann 2) :

Alle Kinder klatschen gemeinsam einen vorgegebenen Rhythmus, zum Beispiel:

„Heut‘ ist ein schöner Tag“: lang – kurz – kurz – kurz – kurz – lang

In der Mitte ist ein Xylofon oder eine Trommel. Ein Kind bekommt einen Schlegel und geht damit in die Mitte.

Sobald das Kind in der Mitte anfängt zu spielen, müssen alle anderen Kinder aufhören. Das Kind improvisiert eine Zeitlang allein auf dem Instrument, was sehr spannend ist.

Sobald das Kind aufhört zu spielen, beginnen alle wieder mit dem Rhythmus. Das Kind gibt seinen Schlegel einem anderen Kind, das wiederum in die Mitte geht und immer so weiter.

Alle Übungen können auch auf Orff-Instrumenten gespielt werden.

Konzentrationsübungen

Die folgenden Übungen bauen sinnvoll aufeinander auf und bringen die Kinder dazu sich auf die Zeichen und die Stimme der Lehrerin zu konzentrieren.

  1. Alle Kinder legen ihre Kopf auf die Arme und schließen die Augen.
  2. Sobald ein Ton oder etwas ähnliches erklingt dürfen die Kinder sich aufrichten und eine Zeichnung ansehen. Der Ton erklingt nach ca. 20 Sekunden erneut und die Kinder „schlafen wieder ein“.
  3. Nach vielleicht 30 Sekunden, je nach Ruhe der Kinder, wachen die Kinder wieder auf und zeichnen das Gesehene aus dem Gedächtnis so genau wie möglich auf.
  4. Dies alles wird den Kindern vor der Übung genau erklärt. Zum Schluss vergleichen die Kinder ihre Zeichnung mit der Vorlage.
  5. Die Zeichnung sollte am Anfang möglichst einfach sein,am besten aus Kreisen, Quadraten, Strichen oder ähnlichem bestehen. Mit der Zeit sollten die Ruhezeiten gesteigert und die Kompliziertheit der Zeichnungen gesteigert werden.

Darauf aufbauend kann man, statt eine Zeichnung zu zeigen, ein Bild beschreiben (Ich sehe in der Mitte einen Kreis usw.). Die Kinder lernen so, sich das Gesagte genau vorzustellen und einzuprägen.

Stilleübungen

Es wäre schön etwas über eure Erfahrungen zu hören!
Literaturangaben im Beitrag:

  1. Musik aktiv erleben: Moroder-Tischler, Diesterweg-Verlag (1990), ISBN 3425037234, S. 104
  2. Lilli Friedemann: Gemeinsame Improvisation auf Instrumenten, Kassel 1974

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Zusätzlicher Buchtipp:
Weiße Wolken Stille Reise: Volker Friebel, Ökotopia-Verlag (1996), ISBN 3-925169-94-6

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1 Kommentar

  1. Vielen Danke diese Anregungen. Einige waren mir in Varianten bekannt, andere ganz neu!

    Comment by Peter Ueter — 04.01.2007 @ 22:19

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