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Nomen sind Namen für Menschen, Tiere, Dinge

Von Ruth Hoffmann-Erz am Sonntag, den 12. Juli 2015

Die Überschrift gibt ein gängiges Erklärungsmuster wieder, wie es sich in fast allen Sprachbüchern findet. Fachdidaktisch wird diese Vorgehensweise kritisch gesehen, da sie neben Missverständnissen1  die Vorstellung über Nomen bei den Kindern zu stark auf diesen Bereich festlegt bzw. einschränkt. Die Kinder tun sich später schwer, Wörter wie Himmel, Fantasie, Idee etc. auch den Nomen zuzuordnen.  Gefordert wird die Identifizierung von Nomen früh über verschiedene Wege anzubahnen:

Um die grammatischen Kategorien begreifen zu können, benötigen Kinder zunächst Erfahrungen und es muss ein Zugang über Beispiele geschaffen werden (induktiver Zugang). Statt also den Kindern abstrakte Regeln vorzugeben (Nomen kannst du in die Mehrzahl setzen), sollten über Aufgabenstellungen, bei denen Kinder mit Beispielen operieren können, eine intuitive Begriffsbildung entwickelt werden2

Im Falle der Nomen ist die Mehrzahlbildung eine besonders gut geeignete Methode der Identifizierung.

Eine mögliche induktive Aufgabenstellung als Einstieg könnte so aussehen:

An die Tafel werden durcheinander eine Reihe von Nomen in der Ein- und Mehrzahl geschrieben.

Zum Beispiel:

Tisch, Baum, Buch, Hund, Pferd, Wolke, Heft, Tische, Wolken, Hunde, Bäume, Pferde, Hefte…

Die Kinder erhalten die Aufgabe, die Wörter zu sortieren. Eventuell kann man ein Beispiel vorgeben mit dem Hinweis: „Ordne die Wörter in der gleichen Weise.“

Tisch – Tische

Baum – …

Es können aber auch ganz eigene Sortiervorschläge der Kinder zugelassen werden. Wichtig dabei ist, diese später nicht zu bewerten. Eventuell sortieren die Kinder auch nach semantischen Gesichtspunkten (Tiere, Schulsachen etc.). Durch einen späteren Austausch kann die morphologische Sortierung dennoch von allen Kindern nachvollzogen werden. 

Um auf die Großschreibung dieser Wörter aufmerksam zu machen, kann im Anschluss der Auftrag gegeben werden, immer den ersten Buchstaben der Wörter farbig zu markieren und zu überlegen, was auffällt.

Implizit sollen die Kinder erfahren, dass Wörter, zu denen man eine Ein- und eine Mehrzahl bilden kann, groß geschrieben werden und irgendwie miteinander zu tun haben. Ähnliche Übungen können aufbauend die Erfahrungen vertiefen und erweitern. So können die Kinder selbst weitere solcher Wörter suchen. Ebenso könnten aus einer Sammlung mit Nomen und Verben die Wörter herausgefunden werden, zu denen man eine Mehrzahl bilden kann etc.

1 vgl. den Beitrag ‚Namenwort sollte man nicht sagen‘

2 Bartnitzky, H. (2005): Lehrerbücherei Grundschule: Grammatikunterricht in der Grundschule: Für die Klassen 1 bis 4 Berlin: Cornelsen Verlag.

 



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