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Rechtschreibung in freien Texten

Von Ruth Hoffmann-Erz am Dienstag, den 9. Oktober 2007

Am Anfang der Grundschulzeit schreiben die Kinder lautorientiert. Dabei ist das erste Kriterium zur Beurteilung der Texte: Kann ein Leser den Sinn des Textes verstehen? Das Verbessern der Texte wird ausdrücklich vermieden, da die Kinder sonst in ihrer Schreibfähigkeit gehemmt und überfordert werden.

Aber wie geht es dann weiter? Ab welchem Zeitpunkt soll man was und wie viel verbessern?
Meiner Meinung nach sollte man frühzeitig mit den Kindern an den eigenen Texten rechtschriftlich arbeiten.
Ich glaube, die Kunst besteht in der geeigneten Korrektur zum richtigen Zeitpunkt. Dies setzt voraus, dass die Kinder in regelmäßigen Abständen eigene Texte verfassen und die Korrektur konsequent erfolgt.

Je nach dem Stadium der Schreibentwicklung sollten die Korrekturen meines Erachtens so vorgenommen werden, dass sie dem Kind helfen, den nächsten Schritt in der Entwicklung voranzugehen.
Das heißt, ein Kind in der ersten Klasse beispielsweise wird eventuell lautliche Verbesserungen bekommen, die ihm helfen die Lautkette genauer zu analysieren. Ein Kind in der zweiten Klasse wird vielleicht vermehrt auf die Wortgrenzen (Abstand zwischen zwei Wörtern) hingewiesen. Ein Kind in der dritten Klasse erhält Korrekturen im Bereich der Groß- und Kleinschreibung usw.
Wichtig ist, nicht alle Fehler zu verbessern, da sonst die Kinder überfordert werden und den Eindruck erhalten, sie machen (fast) alles falsch!
Die Lerninhalte sollten auch bei Korrekturen in überschaubarer Weise und geeigneter Strukturierung vermittelt werden.

An dem Satz: „Die Kinder spielen im Garten“ möchte ich einige Verbesserungsansätze verdeutlichen

Mögliche Kinderverschriftung:

DIKINA SCHPIN IMATN

1. Verbesserungsschritt
Ausgelassene Laute gemeinsam analysieren (hier D, L, G)
DIKINDA SCHPILN IMGATN

2. Verbesserungsschritt
Die Wortgrenzen verbessern
DI KINDA SCHPILN IM GATN

3. Verbesserungsschritt
Die Wortendungen verbessern
DI KINDER SCHPILEN IM GATEN

4. Verbesserungsschritt
Erste Lernwörter (hier: die) und besondere Lautverschriftungen (hier sp statt schp) in Texten verbessern
DIE KINDER SPILEN IM GATEN

5. Verbesserungsschritt
Auf große und kleine Buchstaben achten. Satzanfänge groß schreiben und am Satzende einen Punkt setzen.
Die kinder spilen im gaten.

6. Verbesserungsschritt
Auf die Großschreibung von Nomen achten.
Die Kinder spilen im Gaten.

7. Verbesserungsschritt
Immer mehr Lernwörter treten hinzu (hier spielen und Garten)
Die Kinder spielen im Garten.

Sobald die Kinder mit Lernwörtern arbeiten, lasse ich die geübten Wörter in einem Lernwörterheft sammeln. Diese Wörter sollen dann von den Kindern möglichst richtig geschrieben werden. Ich verbessere diese Wörter dann auch in den Kindertexten.
So erhalten auch die Eltern einen Überblick, welche Wörter die Kinder können sollten und welche Verbesserungen in den Kindertexten sinnvoll sind.
Bei den Lernwörtern sollten vor allem die häufig vorkommenden Wörter geübt werden.
Also „kleine“ Wörter wie: und, dann, immer, sehr…

Oftmals erlebe ich, dass die Kinder mit Hilfe eines Erwachsenen viele Fehler in ihren Texten selbst finden. Ihnen fehlt aber die Fähigkeit, beim Schreiben das Erlernte anzuwenden oder ihre Texte selbständig auf Fehler hin zu untersuchen. Isolierte Übungen können den Kindern zwar die Existenz von Rechtschreibphänomenen verdeutlichen und einüben, führen aber nicht zwingend dazu, dass die Kinder diese in eigenen Texten anwenden.
Das Aufschreiben eigener Gedanken und das Richtigschreiben sollten allmählich so zusammenwachsen, dass sie für die Schüler selbstverständlich werden.
Um dies zu fördern, ist das Verbessern der eigenen Texte meiner Meinung nach unerlässlich.
Natürlich wird dieser Prozess in der Grundschule erst begonnen und muss auch später noch weiter verfolgt werden.

Allerdings ist es im Schulalltag ein hoher Anspruch, so individuell auf die Schüler einzugehen
Hier hilft eine Korrektur, die bestimmte Feherlquellen ins Blickfeld rückt, den Zeitaufwand zu
zu redizieren.

Es wäre toll, hierzu andere Meinungen zu hören. Über Kommentare würde ich mich an dieser Stelle ganz besonders freuen.



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3 Kommentare

  1. In der 1. Klasse verbessere ich gar nichts, weil ich die Kinder zum Schreiben animieren möchte und ich glaube, dass in diesem Alter jede Korrektur die Schreibfreude einbremst. Fallweise schreibe ich den Text richtig ab und gebe ihn als Leseblatt allen Kindern. Dabei wird der/die Autor/in ausdrücklich angeführt.
    Ich weise die Kinder immer wieder darauf hin, dass sie noch nicht wissen können, wie ein Wort richtig geschrieben wird und Erwachsene es nur deshalb wissen, weil sie ein Wort schon sehr oft angeschaut und geschrieben haben. Ich betone auch häufig, dass man NICHT hören kann, wie ein Wort richtig geschrieben wird sondern sehen. Dieses Sehen fördere ich so oft es geht. Ich lasse Wörter finden und vorlesen, schreib vieles an die Tafel, hebe farblich hervor, was man anders hört usw.
    Ich erkläre das auch den Eltern und empfehle auch ihnen, den Kindern nichts auszubessern es sei denn das Kind ersucht sie ausdrücklich darum. Ich animiere sie sogar von den Kindern verfasste Schriftstücke im Original aufzuheben. Sie sind später eine individuelle Erinnerung ähnlich wie Baby-Fotos. Irgendwann schreiben alle gleich und die persönlichen Merkmale sind die interessanteren.
    So lange Kinder Freude haben am Lernen passieren die Fortschritte ohne viel Zutun, auch bei der Rechtschreibung. Dies erlebe ich täglich aufs Neue und nicht zuletzt macht mir selbst das Unterrichten mehr Freude wenn ich dieses Vertrauen vermitteln kann.

    Comment by Helga Bedlivy-Dungl — 18.05.2008 @ 21:20

  2. und in der 4. Klasse sehen die Kinder dann richtig alt aus wenn sie die Rechtschreibung nicht beherrschen.
    Danke!!! Da ist mir die konsequente Berichtigung für unsere Kinder lieber.

    Comment by Hock — 16.03.2009 @ 00:32

  3. Ich unterrichte LRS-Kinder verschiedener Altersstufen seit vielen Jahren und versuche durch Lektüre auf Seiten wie dieser dahinterzukommen, wie sich die zunehmenden Probleme der Kinder erklären.
    Wenn ich dann allerdings Äußerungen lese wie:

    „Ich betone auch häufig, dass man NICHT hören kann, wie ein Wort richtig geschrieben wird sondern sehen.“
    (Anmerkung der Redaktion: Zitat aus Kommentar 1)

    werden mir die Schwierigkeiten der Kinder klarer! Denn offensichtlich wird hier nicht vermittelt, dass es sich bei Lauten/Phonemen und Buchstaben/Graphemen um zwei getrennte Systeme handelt, die nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten miteinander verkoppelt sind. Die Vorstellung, dass sich alle Kinder eine Schriftbild der verschiedenen Wörter einprägen, ist ganz offensichtlich irrig! Und ein großer Teil der Kinder müssen einfach die entsprechenden Regeln EXPLIZIT lernen. Das dies in den Schulen nicht erfolgt, füllt alle möglichen und unmöglichen Institute, die privatwirtschaftlich das Bildungsdefizit in diesem Bereich abschöpfen!

    Karin Burger

    Comment by Karin Burger — 17.04.2009 @ 10:58

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